Monatsarchiv für Februar 2008

Indien: Bangalore: Tag 5, morgens

Freitag, den 29. Februar 2008

Guten Morgen,

“trappic” heute hiess heute “droppic” - Wortverstuemmelung ist ein ernstzunehmendes Problem, wie ich finde - vor allem fuer die Ohren _und_ das Gemuet. Apropos Gemuet. Ich finde es immerwieder erstaunlich, wie anpassungsfaehig die Menschen hier sind:

Transportunternehmen

Das 1,4-Kilo-Maedchen hat jetzt einen Namen, sie heisst: Jodhaa. Die Times of Bangalore enthielt heute ein paar Berichte zu Tierrettungen. Zu sehen ist ein Bild von einer gruenen Schildkroete mit schwarzen Punkten, die von Touristen gefunden wurde. Das arme Ding hatte nur noch 3 - hm - Flossen. Man kuemmert sich jetzt liebevoll um sie. Auch ein ehemaliger Tanzbaer muss nun nicht mehr tanzen sondern wird imRahmen eines - ich wuerde sagen - Resozialisierungsprogramms wieder ausgewildert. Hier sind Baeren noch sicher. So wie die meisten Tiere, solange kein Muslime in der Naehe ist.

Mein Eindruck verstaerkt sich hier jeden Tag durch die Art und Weise der Menschen, wie sie darueber sprechen und die MENGE der Worte, die sie darueber verlieren, dass die Gottheiten der Hindus sowas wie Popstars sind. Es ist richtig modern und beliebt, die Gottheiten toll zu finden. Westliche Gehirne verweigern die Annahme der Namen diesesr Gottheiten, die eher aussehen wie das Ergbnis einer defekten Tastatur mit “Empfaenger verzogen”, wenn man versucht, sich das zu merken. Zweckloses Unterfangen, ich rate davon ab und mein Arzt und Apotheker vermutlich auch. Shiva und Co. sind hier wirklich an jeder Strassenecke zu sehen, mit Ruessel und ohne, kleben auf jeder 2. Auto-Riksha und verzieren Verpackungen und allerlei Schilder:

Stars

Indien: Bangalore: der Weg zur Arbeit

Donnerstag, den 28. Februar 2008

Guten Abend werte(r) Leser,

in der Hoffnung, dass das .avi hier im Blog seinen Dienst tut, habe ich mal den Weg zur Firma, das Kauderwelsch aus Baracken, blitzenden IT-Unternehmen, Bastelbuden, angefangenen Strassenbauarbeiten, Muell, Klitschen, sympathischem Durcheinander und dem Laerm gefilmt. Enjoy.

Auf dem Weg zur Arbeit - Hosur Road

Indien: Bangalore: Zwischendurchgedanken

Donnerstag, den 28. Februar 2008

Guten Morgen!

Auf der Rueckfahrt gestern fuhr ich mit dem Taxi an einer Art “Band” vorbei, die durch die Strasse zog und allerlei Blasinstrumente bemuehte. Dieser folgend ein Wagen, verziert und geschmueckt mit jeder Menge bunter Blumen. Meine Frage konnte bloeder nicht sein: “Ist das eine Hochzeit?” Die Antwort des Fahrers: “Nein, Ma´am, das ist eine Beerdigung.”

 

In der Tageszeitung konnte ich mich heute fuer keine Nachricht entscheiden, ich habe deswegen die Zeitung mitgenommen:

Eine Bollywoodschauspielerin hielt sich ein 12jaehriges Maedchen als Hausmaedchen - ich wuerde sagen als Sklavin - die Mutter des Maedchen erhielt dafuer monatlich 1500 Rs.. (50 Rs. ~ 1 Euro). Sie misshandelte das Maedchen ueber 8 Monate lang, indem sie es bestrafte fuer jeden kleinen Fehler, der ihr passierte. Zuhause hat man das Kind nicht wiedererkannt: Bueschelweise waren die Haare ausgerissen, die Zunge war zerschnitten, der ganze Koerper wies Brandzeichen von Zigaretten auf sowie Verletzungen durch ein Messer. Woertlich hiess es “also in her private parts”. Beim Lesen solcherlei Begebenheiten frage ich mich, ob deutsche Zeitungen von aehnlichen Meldungen durchzogen sind - ich weiss es nicht, da ich keine Tageszzeitungen lese.

 

In einem Krankenhaus hier wurde einer Frau ein 3-Kilo-Tumor entfernt von einem Arzt, der den Weltrekord im grosse-Tumore-entfernen haelt. Der liegt bei bisher 3,4 Kilo.

 

Aus einem Nationalpark in der Naehe sind 99 Elephanten verschwunden, vermutlich in einen benachbarten Park, aber wo sie sind und warum sie gegangen sind, weiss man noch nicht.

 

Die Mindestgroesse fuer Polizistinnen ist von 155cm auf 160cm angehoben worden, nachdem es viele Beschwerden gab, dass man die Polizistinnen im dichten Verkehr nicht sieht ;-) Fuer Maenner liegt das Mindestmaß bei 170cm (vorher 167cm).

 

Und (!) - kaum zu glauben - Eine Frau gebar ein Baby auf der Toilette eines Zuges. Es fiel in die Schuessel und war erst 7 Monate alt. Das kleine 1,4-Kilo-Buendel fiel runter, die Mutter fuehlte sich sehr schlecht und bemerkte den Hergang erst, als sie wieder zu sich kam, weil andere Reisende an die Tuer klopften. Da bemerkte sie - woertlich - dass ihr Bauch leer war. Die Notbremse wurde gezogen und das Kind von den Gleisen aufgesammelt. Es lebt. Ohne jeden Kratzer.

 

Entgegen aller Vorurteile versteht man die meisten Inder recht gut und wenn man sich nicht versteht, versteht man sie meist _gar nicht_: “Te is masch trappic” - zumindest ich brauche eine Weile zum dechiffrieren :-)

 

Aktuell sitze ich in der sehr angenehmen Morgensonne bei leichten wind und warte auf meinen Fahrer. Dann werden wir wieder ca eine Stunde fuer eine Strecke von 6-7 Km benoetigen. Normale Schrittgeschwindigkeit soll ja 7 km/h sein, ich waere also in der gleichen Zeit auch zu Fuss im Buero. Wenn die Strecke nicht so unwegsam waere, wuerde ich das gerne mal laufen, allerdings ist die Luftverschmutzung auf den Strassen so hoch, dass viele Menschen sich hier ein Tuch vor den Mund halten oder einen Mundschutz tragen.

 

Wie ich bereits erwaehnte finde ich das Naturell der Menschen hier sehr angenehm. Und schon nach ein paar Tagen bin ich mir sicher, dass ich das in Deutschland sehr vermissen werde. Natuerlich fuehre ich hier im Vergleich zu den Indern ein absolutes Luxusleben, fuehle mich daher auch seltsam wenn ich aeussere, dass ich mich hier wirklich wohl fuehle.

Es stimmt ein wenig traurig, dass die Menschen hier, die mit vielerlei Widrigkeiten zu kaempfen haben, so ausgeglichen, ruhig, freundlich und positiv sind und wir, die im Luxus schwelgen solche Miesepeter sind, die stets so lange mit dem Kopf schuetteln, bis sie endlich ein Haar in der Suppe finden. Diese “Kultur” mag ich nicht und wenn man dieser erstmal fern ist, wird es umso deutlicher.

Ich hoffe, dass ich ein wenig von der Mentalitaet, die ich hier erlebe, mit nach Hause nehmen kann.

Indien: Bangalore: Tag 3

Donnerstag, den 28. Februar 2008

Die Zeitung des heutigen Tages berichtet, dass sich in Bangalore eine junge Fabrikarbeiterin einer Seidenfabrik erhaengt hat, weil sie wohl das Gespraech mit ihrem Chef fuerchtete, nachdem sie beim Klauen erwischt wurde. Die Zeitungen sind voll von Stellenanzeigen fuer den IT Markt. Bangalore Valley sagte heute der Taxifahrer. Er hat mir heute viel gezeigt, machte einen recht informierten Eindruck, die Fahrt war wie immer sehr spannend.
Das folgende Bild mit dem Firmenlogo im Hintergrund und dem Traktor hat einen besondern Charakter wie ich finde :-)

Novell Bangalore 1

Fahrende Haendler vor der Tuer (Was sucht der Mann links im Bild? Und: Was hat er im Mund? :

Novell Bangalore 2

Das Mittagessen in der firmeneigenen Kantine darf man sich wirklich nicht entgehen lassen. Bisher gab es jeden Tag etwas anderes unidentifizierbares Leckeres. ULNA - Unidentifizierbare leckere Nahrung. Gestern war die ULNA gelb und gruen, heute gruen und rot. Mit Reis und Fladen natuerlich:

Essen holen

Buntes Essen mit Spassfaktor:

buntes lustiges Essen

Die Novell-Kantine ist recht gut besucht, auch Inder moegen indisches Essen sehr gerne:

Die Novell-Kantine

Draussen werden die Fladen zubereitet. Sie schmecken sehr viel besser, als das angestrengte Gesicht des Kochs vermuten laesst.
Draussen werden Fladen gemacht

Nach dem Essen bringt man seinen Napf (ein Kuchenblech aus Edelstahl mit verschieden grossen Aussparungen) zur humanoide Spuelmaschine. Gegenueber sind mehrere Handwaschbecken. Man isst hier mit der rechten Hand. Bei Curry ist der Anblick der Finger fuer den Rest des Tages sehr gewoehnungsbeduerftig.

Die Spuelmaschine

Ich finde, der Nuernberger Betriebsrat sollte sich schonmal beschweren, denn hier gibt es einen Fitnessraum! Das Photo ist sicherlich nicht Ethik geprueft durch eigens dafuer bezahlte Officer.

Der FitnessraumUnd um dem ganzen auch noch ein Haeubchen aufzusetzen - der Musikraum! Ich fuerchte nur, dass bei uns zuviel Aggromusik das Ergebnis waere. Auf dem Photo zu sehen ist mein Kollege Chenthill.

Der Musik-Raum

Strassen ins Nichts, Hippiebusse mit melodischen Hupen, Frauen in farbenfroehlichen Gewaendern - ich habe mich an dieses Strassenbild recht schnell gewoehnt und ich finde es - auch wegen des Laerms - irgendwie liebenswert. Bitte keine tiefenpsychologischen Deutungsversuche dazu :-) Road to nowhere

Hier wird Waesche getrocknet.
Waeschetrockner

Wieviel Waesche hier wohl so ueberall trocknet? Eine Mittelstandsfamilie bewohnt eine 2-Zimmer-Whg mit ca 40-60qm. Besserverdiener koennen sich 3 Zimmer leisten.

Kantinenaussicht

Ich nenne dieses Bild “Paradise Lost Road”

Paradise Lost Road

Alles in allem war das ein sehr schoener Arbeitstag, da das Training sehr gut angenommen wird, und die Tatsache, dass die Menschen hier so sehr Mensch sind, ehrlich freundlich sind, Humor haben und sehr offen sorgt dafuer, dass mir das Herz aufgeht. Ich fuerchte, ich werde Indien-Fan ;-)

Indien: Bangalore: Tag 2, abends

Dienstag, den 26. Februar 2008

Ein anstregender Tag neigt sich dem Ende. Heute morgen las ich in der Tageszeitung, dass am Sonntag ein Mann in einem der Krankenhaeuser fuer tot erklaert wurde (da er 70 Jahre alt war ist das noch keine so aufregende Meldung) und dann am Montag wieder erwachte. In Indien scheint vieles moeglich. Ich weiss nur noch nicht was.

Hier mal der Blick aus meinem Buerofenster:

Blick aus meinem Gastbuero

Der Arbeitstag war recht angenehm, die Kollegen sind ueberaus freundlich und hilfsbereit. Solange man ueber die gleichen Dinge lachen kann stimmt die Chemie auch interkulturell :-)

Mit Novell faehrt man hier uebrigens Busse (ich nehme auch an, dass das Geschnoerkel links oben auch das Firmenlogo ist), welche vor meinem Fenster geschrubbt worden sind. Die Fenster selbst leider nicht:

Novell-Transport

Die beiden folgenden Kuriositaeten moechte ich niemandem vorenthalten (ersparen):

_ernstgemeinte_ Toilettenregeln

ernstgemeinte Toilettenregelung Damen _spezial_

Das musste ich erstmal - verdauen -

Abends bin ich zu einer Einkaufsmeile gefahren - ohne naeheren Auftrag und naeheres Ziel. Natuerlich komme ich dann mit einer Tuete landestypischer Suessigkeiten wieder. :-) Entgegen aller Befuerchtungen war mein Magen bisher auch imstande, mit dem essen umzugehen. Morgens um 7 schon warmes Essen ist eher fuer die Psyche gewoehnungsbeduerftig als fuer den Koerper. Was ich mittags ass weiss ich nicht - es war lecker - _das_ weiss ich.

Mehr Roller als Inder
Ich bin mir ziemlich sicher, dass das hier 1,1 Mrd Inder sind aber sicherlich 2,2 Mrd. Motorroller!

Auf der Strasse
Abends war es auf den Strassen recht voll (unrepresentatives Bild), man fragt sich wirklich, ob ueberhaupt jemand daheim geblieben ist.

Indien: Bangalore: Ein paar Bilder von gestern

Dienstag, den 26. Februar 2008

Beine in die Hand nehmen und los
Hat es da jemand nicht mehr rechtzeitig ueber die Strasse geschafft?!

 

 

 

 

Gelassenheit
Ein buddhistisches Pony. Totale Gelassenheit in dem Verkehrschaos.

 

 

 

 

ein beeindruckender Mann
Dieser kleine - grosse Dinge bewegende - Mann begegnet einem hier auf Schritt und Tritt.

 

 

 

 

 

 

Hier wird gearbeitet
Man sieht hier sehr viele Menschen arbeiten. Egal was. Arbeitskraft
kostet anscheinend nichts. Das erklaert auch die hohe Anzahl an Sicherheitspersonal, denke ich.

 

 

 

 

 

 

Kokosnuss-Saft
Hier gibt es manchenorts mehr Strassenverkaeufer als Geschaefte. Hier werden Kokosnuesse geknackt und der Saft dargeboten.

 

 

 

 

Verkaeuferin
Sie verkauft Schuheinlagen

 

 

 

 

 

sinnlos?
Ein buddhistischer Zebrastreifen? Der Uebergang ins Nichts? In den Garten Eden? Vor einen Zaun?

 

 

 

Bevoelkerung oben
Beeindruckend ist auch, wie bevoelkert hier der Himmel ist. Man sieht sehr viele Libellen und ueber der ganzen stadt kreisen zig Kraehen und Adler. Ja, die dreckigen Punkte auf dem Bild sind die Libellen, nicht die Adler :-)

 

 

 

 

Strassen-ASU
Ein wenig verwunderlich finde ich bei den ganzen Abgasen hier, was hier wohl getestet wird. MIT PHOTO! Personalisierte ASU ;-)

 

 

 

 

 

 

 

 

Indien: Bangalore: Tag 2, morgens

Dienstag, den 26. Februar 2008

Guten Morgen :-)

Heute wurde ich eine Stunde lang durch die Rush-Hour gefahren. Man schnappt eine Bilderflut auf, von der bis im Buero schonwieder die Haelfte vergessen ist. Ueberall kreisen Adler, man sieht viele Libellen und das inmitten von zig Fahrzeugen inmitten dieser Grossstadt. An Strassenschilder angebundene Schafe, Kuehe, die auf einem Schutthaufen etwas Essbares suchen…

Der Laerm in dieser Stadt ist unbeschreiblich. Ich habe noch nicht herausgefunden, ob man hier aus Spass, Gewohnheit oder tatsaechlich mit einer festen Absicht hupt :-)

Man sieht hier so dermaßen viele Menschen auf einem Haufen, dass man sich kaum vorstellen kann, dass es hier immer friedlich zugeht, zumindest macht es auf mich den Anschein. Bei uns kaum vorstellbar: Laut waere es sicherlich auch, allerdings vor allem vom Gebruell eines jeden Cowboys mit Vorrecht auf den Strassen.

 

 

Indien: Bangalore: Tag 1

Samstag, den 23. Februar 2008

traffic

Mein erster Spaziergang draussen war recht lustig, denn es ist nicht eine Hochzeitsgesellschaft nach der anderen, die hier fuer ein stetes Hup-Grundrauschen sorgt, sondern nur der alltaegliche Verkehrswahnsinn. als Inder entwickelt man da anscheinend spezielle Instinkte, denn Blinken ist hier auch nicht in. Anlass zum Hupen gibt es permanent. Mit und ohne Grund.

25.02.2008 - Ortszeit 2:30 Uhr

Prima gelandet sitze ich nun im Hotel in Bangalore und schmunzle immernoch ueber den Gepaecktraktor mit Pferdeanhaenger aehnlichen Transport”trollys” am Flughafen. Es ist recht warm hier, nachts um halb 3 gefuehlte ueber 20 Grad.

Indien Reise

Samstag, den 23. Februar 2008

23.02.2008 Nuernberg

Morgen geht’s auf nach Indien …

Ich bin einigermaßen aufregend ists ja schon, dennoch ist die ganze Fliegerei wie Busfahren.