Guten Morgen!
Auf der Rueckfahrt gestern fuhr ich mit dem Taxi an einer Art “Band” vorbei, die durch die Strasse zog und allerlei Blasinstrumente bemuehte. Dieser folgend ein Wagen, verziert und geschmueckt mit jeder Menge bunter Blumen. Meine Frage konnte bloeder nicht sein: “Ist das eine Hochzeit?” Die Antwort des Fahrers: “Nein, Ma´am, das ist eine Beerdigung.”
In der Tageszeitung konnte ich mich heute fuer keine Nachricht entscheiden, ich habe deswegen die Zeitung mitgenommen:
Eine Bollywoodschauspielerin hielt sich ein 12jaehriges Maedchen als Hausmaedchen - ich wuerde sagen als Sklavin - die Mutter des Maedchen erhielt dafuer monatlich 1500 Rs.. (50 Rs. ~ 1 Euro). Sie misshandelte das Maedchen ueber 8 Monate lang, indem sie es bestrafte fuer jeden kleinen Fehler, der ihr passierte. Zuhause hat man das Kind nicht wiedererkannt: Bueschelweise waren die Haare ausgerissen, die Zunge war zerschnitten, der ganze Koerper wies Brandzeichen von Zigaretten auf sowie Verletzungen durch ein Messer. Woertlich hiess es “also in her private parts”. Beim Lesen solcherlei Begebenheiten frage ich mich, ob deutsche Zeitungen von aehnlichen Meldungen durchzogen sind - ich weiss es nicht, da ich keine Tageszzeitungen lese.
In einem Krankenhaus hier wurde einer Frau ein 3-Kilo-Tumor entfernt von einem Arzt, der den Weltrekord im grosse-Tumore-entfernen haelt. Der liegt bei bisher 3,4 Kilo.
Aus einem Nationalpark in der Naehe sind 99 Elephanten verschwunden, vermutlich in einen benachbarten Park, aber wo sie sind und warum sie gegangen sind, weiss man noch nicht.
Die Mindestgroesse fuer Polizistinnen ist von 155cm auf 160cm angehoben worden, nachdem es viele Beschwerden gab, dass man die Polizistinnen im dichten Verkehr nicht sieht
Fuer Maenner liegt das Mindestmaß bei 170cm (vorher 167cm).
Und (!) - kaum zu glauben - Eine Frau gebar ein Baby auf der Toilette eines Zuges. Es fiel in die Schuessel und war erst 7 Monate alt. Das kleine 1,4-Kilo-Buendel fiel runter, die Mutter fuehlte sich sehr schlecht und bemerkte den Hergang erst, als sie wieder zu sich kam, weil andere Reisende an die Tuer klopften. Da bemerkte sie - woertlich - dass ihr Bauch leer war. Die Notbremse wurde gezogen und das Kind von den Gleisen aufgesammelt. Es lebt. Ohne jeden Kratzer.
Entgegen aller Vorurteile versteht man die meisten Inder recht gut und wenn man sich nicht versteht, versteht man sie meist _gar nicht_: “Te is masch trappic” - zumindest ich brauche eine Weile zum dechiffrieren
Aktuell sitze ich in der sehr angenehmen Morgensonne bei leichten wind und warte auf meinen Fahrer. Dann werden wir wieder ca eine Stunde fuer eine Strecke von 6-7 Km benoetigen. Normale Schrittgeschwindigkeit soll ja 7 km/h sein, ich waere also in der gleichen Zeit auch zu Fuss im Buero. Wenn die Strecke nicht so unwegsam waere, wuerde ich das gerne mal laufen, allerdings ist die Luftverschmutzung auf den Strassen so hoch, dass viele Menschen sich hier ein Tuch vor den Mund halten oder einen Mundschutz tragen.
Wie ich bereits erwaehnte finde ich das Naturell der Menschen hier sehr angenehm. Und schon nach ein paar Tagen bin ich mir sicher, dass ich das in Deutschland sehr vermissen werde. Natuerlich fuehre ich hier im Vergleich zu den Indern ein absolutes Luxusleben, fuehle mich daher auch seltsam wenn ich aeussere, dass ich mich hier wirklich wohl fuehle.
Es stimmt ein wenig traurig, dass die Menschen hier, die mit vielerlei Widrigkeiten zu kaempfen haben, so ausgeglichen, ruhig, freundlich und positiv sind und wir, die im Luxus schwelgen solche Miesepeter sind, die stets so lange mit dem Kopf schuetteln, bis sie endlich ein Haar in der Suppe finden. Diese “Kultur” mag ich nicht und wenn man dieser erstmal fern ist, wird es umso deutlicher.
Ich hoffe, dass ich ein wenig von der Mentalitaet, die ich hier erlebe, mit nach Hause nehmen kann.